Schwirrt dir manchmal der Gedanke im Kopf herum, einen Zweithund anzuschaffen? Ich verstehe das gut, ich habe selber immer mehrere Hunde um mich herum. Im Moment sind es noch zwei von acht.
Die Gründe, einen zweiten Hund ins Haus zu holen, sind vielfältig und sehr individuell. Denn, jeder Mensch und jede Lebenssituation ist anders. Bevor du jedoch einen zweiten Hund in dein Leben aufnimmst, solltest du einige wichtige Punkte beachten.

Das erste wäre, dich selbst zu fragen, warum du einen zweiten Hund anschaffen möchtest… und dann ganz ehrlich auf diese Frage zu antworten.

Einen Zweithund anschaffen als Hundetherapeut?

Hoffst du, dass der Zweithund das Verhalten deines jetzigen Hundes positiv beeinflusst?

Zweithund anschaffen - Was spricht dafür oder dagegenDieser Gedanke ist absolutes Wunschdenken! Wenn dein erster Hund beispielsweise an Trennungsangst leidet, erwarte nicht, dass ein zweiter Hund dieses Problem löst.
Viel wahrscheinlicher ist, dass du bald zwei Hunde mit derselben Psychose haben wirst. Denn der neue Hund wird den anwesenden Hund beobachten und dessen Verhalten kopieren, um einen guten Start in seiner neuen Familie zu haben. Er orientiert sich in allem an deinem ersten Hund, nicht an dir. Warum?

Na, die zwei Hunde sprechen dieselbe Sprache und in den meisten Fällen verhält sich der bereits anwesende Hund dominanter und will der Rudelführer sein. Er kennt sich mit der Umgebung aus, kontrolliert Ressourcen (Spielzeug, Futternapf) und weiß, wie er in den verschiedenen Situationen reagieren muss. Und er hat längst gelernt, dich um den Finger zu wickeln.

Ausserdem verhalten sich 99% der Menschen gegenüber einem neuen Hund eher unterwürfig und passiv. Erst recht, wenn der zweite Hund ein Welpe ist. Daher ist es für den neuen, den zweiten Hund von Natur aus unmöglich, diesen Menschen zu folgen. Also achtet er viel mehr auf den bereits vorhandenen Artgenossen.

Die Hierarchie zwischen den Hunden kann sich mit der Zeit zwar ändern. Dies bedeutet aber nicht, dass dann alles besser läuft.
Der andere Fall wäre, dass dein erster Hund zurückhaltend, ruhig oder ängstlich ist und der zweite Hund eher robust. Glaubst du, du kannst einen dominanten Welpen kontrollieren, der deinen ängstlichen Hund manipuliert und dein Haus vom ersten Moment an beherrscht?

Bedenke: „Dein jetziger Hund entwickelte Verhaltensprobleme, weil die Kommunikation zwischen euch beiden unklar ist und weil er unerfüllte Bedürfnisse hat. Er braucht keine weiteren Gruppenmitglieder, sondern klare Regeln. Strukturiere sein Leben, beschäftige ihn artgerecht und nach seinen Fähigkeiten. Und gib ihm, was er als Hund braucht. Das löst seinen Stress und du wirst sehr bald tolle Verhaltensänderungen bei ihm feststellen.“

Einen Zweithund anschaffen aus Zeitmangel?

Fühlst du dich schuldig, weil dein Hund zu lange alleine zu Hause ist und sich langweilt… oder alleine sogar Probleme macht?

zweithund zuhauseDas heisst, dass du mit Arbeit, Hobbys und anderen Aktivitäten oder Verpflichtungen voll und ganz beschäftigt bist. Wie soll ein zweiter Hund dieses Problem lösen? Hunde können nicht gemeinsam Schach oder Fußball spielen.
Die Realität wird sein, dass du bald zwei gelangweilte Hunde hast, die dir mehr Probleme machen können als einer alleine. Sie werden sich gegenseitig bespaßen... Die Folgen könnten dir evtl. gar nicht gefallen.

Und was ist, wenn sich die beiden Hunde nicht vertragen? Glaubst du, du kannst sie alleine zu Hause lassen? Das könnte in einer Katastrophe enden. Dein Hund braucht keinen Spielgefährten. Er braucht mehr aktive Zeit mit DIR, um glücklich und entspannt zu sein!

Wenn du einen zweiten Hund nimmst, benötigst du doppelt soviel Zeit wie jetzt!

Es geht nicht um die Zeitersparung beim Gassi gehen. Du musst trotzdem jeden Hund individuell mindestens 30 Minuten pro Tag separat beschäftigen. Und viele Aktivitäten musst du immer wieder mit jedem Hund einzeln machen, um eure Bindung aufzubauen und jedem der Hunde deine volle Aufmerksamkeit zu schenken.

Gehe mit deinem Hund morgens und abends eine halbe Stunde Gassi. Gib ihm witzige Aufgaben wie die Wäsche in den Korb sortieren, dir deine Schuhe bringen oder Dinge vom Boden aufheben. Mache Tricktraining und lass ihn aktiv am Alltag teilnehmen, dann fühlt er sich nützlich und gebraucht. Und du hast eine Haushaltshilfe, wow!

Nimm ihn mit, wann immer es möglich ist. Auch wenn du nur mal schnell zum Tanken fährst oder um noch was zum Naschen zu kaufen. All das hilft ihm, seine Probleme zu überwinden. Ihr seid dann beide viel entspannter und auch glücklicher. Ein Zweithund ist dazu nicht erforderlich.

Einen Zweithund anschaffen zu einem alten Hund?

Willst du einen jungen Gefährten für deinen alten Hund … oder nur, damit dir später der Abschied vom Ersthund nicht so schwerfällt?

junger Zweithund für den Senior-HundBeide Ideen sind wirklich heikel. Ich persönlich finde beide nicht gut. Denk doch mal nach. Dein Senior-Hund ist seit vielen Jahren der einzige Hund in deinem Leben. Euer Alltag läuft in bekannter Routine ab. Dein Hund hat seinen persönlichen Platz in deinem Bett, im Auto oder neben dir auf dem Sofa. Er weiss, wann er sein Betthupferl bekommt oder wie lange die Spaziergänge dauern.

Er bekommt die ungeteilte Aufmerksamkeit deiner Freunde oder der Familie. Stell dir mal vor, wie er sich fühlt, wenn plötzlich ein flegelhafter, aufdringlicher Welpe all die Routine durcheinander wirbelt. Ein zweiter Hund kann seine ganze Welt auf den Kopf stellen. Das kann sogar zu Verhaltensproblemen, Protestreaktionen oder Aggressionen führen

Und sollte der junge Hund in ein paar Monaten sogar die Führung über den Ersten beanspruchen, können ernsthafte Probleme entstehen. Wenn dein jetziger Hund schon älter als 8 Jahre ist, solltest du ihm diesen Stress ersparen. Bleib mit ihm alleine.

Tu ihm und dir selber den Gefallen. Lass ihn in Ruhe und ganz gemütlich alt werden, ohne all den Ärger. Denke erst an einen Zweithund nachdem dein erster über die Regenbogenbrücke gegangen ist. 
Dann beginnst du mit dem neuen Hund ein ganz neues Kapitel deines Lebens.

Ein Zweithund gegen Einsamkeit?

Fühlst du dich alleine oder gelangweilt?


Ist dein erster Hund vielleicht krank, behindert oder nicht mehr da, und du möchtest die Gesellschaft einer anderen Fellnase?
 Das kann ich verstehen. Hunde sind wunderbare Lebewesen. Sie geben uns Liebe, Anerkennung und Verständnis ohne es zu wissen. Im Gegenzug fordern sie nichts von uns zurück.


Als Rudeltiere verstehen sie, wenn wir traurig sind. Sie freuen sich mit uns, wenn wir glücklich sind. Hunde sind also heute in unserer Single-Gesellschaft beliebte Sozialpartner.
 Aber Vorsicht. Einen Hund zu nehmen, nur weil dir etwas fehlt, ist nicht die beste Entscheidung. 
Dein Hund spürt deine Depressionen oder deine Traurigkeit. Er wird versuchen, dieses Problem von dir abzuwenden oder es für dich zu lösen! Aber das kann er nicht. Und diese Überforderung ist nicht fair. Ein Hund kann unsere emotionalen Probleme nicht lösen!

Ich habe diesen Fall selber erlebt:

Eine meiner Kundinnen sehnte sich ganz tief drinnen nach einer richtigen Familie. Sie ist Anfang fünfzig, und völlig alleine auf dieser Erde. Sie hat keine Kinder, keine Eltern mehr und keine Geschwister. Nur ein Hund alleine war ihr zu wenig, also nahm sie noch drei weitere dazu. Sie widmet ihre ganze Aufmerksamkeit diesen 4 Hunden. Alle Hunde werden ständig auf gesundheitliche Probleme geprüft und durchgecheckt. Sobald sie ein kleines "Pickel" findet, bringt sie den Hund zum Tierarzt.

Und weisst du was? Ihre Hunde sind ständig krank! Immer ist irgendwas mit ihnen.
 Die Hunde erfüllen unbewußt ihr Verlangen, sich um jemanden zu sorgen, ihn zu pflegen und sich für ihn aufzuopfern. 

Die Hunde bieten ihr die Möglichkeit, ihre unbewußten Bedürfnisse auszuleben und zu erfüllen. Sowas macht mich sehr traurig. Denn Hunde sollten nicht unsere psychischen Probleme übernehmen. Das ist viel zu viel Seelenmüll für sie.

Einen zweiten Hund glücklich machen

Du hast viel Zeit, ausreichend Energie oder eine super Bindung zu deinem Ersthund

Zweithund bester FreundSuper! Das sind die idealen Voraussetzungen, einen Zweithund anzuschaffen. Du arbeitest halbtags, im Home-Office oder gar nicht. Vielleicht sind die Kinder schon aus dem Haus. Ihr lebt ländlich oder seid schnell aus der Stadt im Grünen.

Falls du schon einen Hund hast, sollte der zuverlässig und entspannt sein, immer gut drauf, und keine Verhaltensprobleme haben. Dann spricht alles für die Anschaffung eines zweiten Hundes. Dass die finanziellen Mittel da sind, setze ich voraus. Sonst würdest du ja kaum über einen zusätzlichen Hund nachdenken.

Natürlich wird es nicht immer so pefekt sein. Ich lebe selber nur in einer Wohnung mit meinen Hunden, ohne Garten. Aber mein gesamtes Leben dreht sich nach den Bedürfnissen meiner Hunde. Die Wohngegend (Stadtrand), die Lage im Erdgeschoß, das Auto (Kombi), das Urlaubsziel (Meck Pom), meine Arbeitszeit.

Und falls es ein Thema wäre, müßte auch ein Partner hinter meinen Hunden zurückstehen. Da kenne ich keine Gnade. Die Bedürfnisse meiner Hunde bestimmen mein Leben. Denn meine Hunde geben mir so viel Glück und inneren Frieden, wie niemand sonst auf dieser Welt. Ihre Bedürfnisse zu respektieren und zu erfüllen ist meine Art, ihnen zu danken, dass sie bei mir sind.

Jeder Hund hat das Recht auf ein glückliches eigenes Leben. Sei also fair und überlege genau, warum du dir einen zweiten Hund anschaffen willst. 
Solange du ausreichend Zeit hast und eine super Bindung zu deinem ersten Hund, ist ein Zweithund ganz sicher eine Bereicherung.


Aber sofern dein erster Hund Verhaltensprobleme hat, oder du selber unglücklich bist, verzichte vielleicht lieber auf einen Zweithund. Löse erstmal die jetzigen Probleme, danach ist immer noch Zeit für Familienzuwachs…

 

 

 

 

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